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Wie Fiktionalität das soziale Imaginäre (re)organisiert:

Authors
  • Knapp, Marcela
Type
Published Article
Journal
Österreichische Zeitschrift für Soziologie
Publisher
Springer Fachmedien Wiesbaden
Publication Date
Nov 13, 2019
Volume
44
Issue
Suppl 2
Pages
195–212
Identifiers
DOI: 10.1007/s11614-019-00380-1
Source
Springer Nature
Keywords
License
Yellow

Abstract

In diesem Beitrag gehe ich der Frage nach, wie fiktionale Kunst auf das soziale Imaginäre einwirkt und es verändert. Am Beispiel der öffentlichen Rezeption von Rolf Hochhuths Theaterstück Der Stellvertreter (1963) zeige ich, wie sich soziale Identität aus dem Ästhetischen speist. Hochhuths Stellvertreter markiert den Beginn der westdeutschen Auseinandersetzung mit der Frage nach Schuld am Holocaust und bildet einen kulturellen Ausgangspunkt für die 68er-Bewegung. Indem das dokumentarische Theater eine neue Form der Individualität, des Denkens und des Fühlens hervorbringt, reorganisiert es soziale Wirklichkeit und greift durch ästhetische Formgebung aktiv in das soziale Imaginäre ein. Werke fiktionaler Kunst spielen bei der Hervorbringung bzw. Schöpfung sozialer Identität eine besondere Rolle, denn Kunst ist laut Wolfgang Iser dem Prinzip des Ästhetischen unterworfen. Das Prinzip des Ästhetischen ist formgebend und spricht somit das Sein der Psyche an – hier folge ich dem Sozialphilosophen Cornelius Castoriadis. Am Beispiel von Hochhuths Stellvertreter möchte ich darlegen, wie es der Kunst gelingt, ein neues Wahrnehmungsmuster zu etablieren, das durch die öffentliche Debatte zu einer neuen „Sensorialitätsordnung“ (Rancière) führt. Diese neue Ordnung transformiert den Begriff des Politischen, der als primäre soziale imaginäre Bedeutung (Castoriadis) zu den gesellschaftskonstitutiven Begriffen westlicher Demokratien gehört.

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