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Vom protestantischen „Beichtvater“ zum Verhaltenstherapeuten. Überzeugungsstrategien und Kommunikationsmuster bei Fundamentalisten und New Evangelicals (ca. 1920–1970)

Authors
  • Coché, Stefanie H.
Type
Published Article
Journal
Historische Zeitschrift
Publisher
De Gruyter Oldenbourg
Publication Date
Aug 05, 2019
Volume
309
Issue
1
Pages
70–111
Identifiers
DOI: 10.1515/hzhz-2019-0021
Source
De Gruyter
Keywords
License
Yellow

Abstract

Die neuere Forschung hat in den letzten Jahren bemängelt, dass der Fokus auf den Kalten Krieg lange die Brüche in der amerikanischen Nachkriegsgesellschaft verschleiert habe. Während dem Aufstieg der New Right vor den 1980er Jahren zuletzt mehr Aufmerksamkeit gewidmet wurde, bleibt der genuin religiöse Anteil der Evangelikalen hieran vor ihrem politischen Engagement in der moral majority weitestgehend im Dunkeln. Dieser Aufsatz vertritt die These, dass die Eroberung des modernen Alltags als religiöses Betätigungsfeld ein wesentlicher Faktor für den verblüffenden Erfolg Billy Grahams und der sich um ihn herum formierenden New Evangelicals war. Graham gelang eine religiöse Aneignung neuer, „moderner“ Themen, indem er die Regeln des konservativen protestantischen Diskurses maßgeblich veränderte. Während sein unmittelbarer Vorgänger Charles Fuller gleichsam als protestantischer „Beichtvater“ agierte, nahm Billy Graham die Rolle eines „Verhaltenstherapeuten“ ein. Auf diese Weise lotste er eine rückwärtsgewandte religiöse Tradition, die in der Zwischenkriegszeit bereits zu einer Nischenexistenz verdammt gewesen zu sein schien, zurück in den Mainstream und trug damit wesentlich zum politischen, kulturellen und gesellschaftlichen Einfluss der Evangelikalen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in den USA bei. Diesem im westlichen Vergleich außergewöhnlichen und kontrasäkularen Wandel konservativer protestantischer Religiosität widmet sich der Artikel, indem er die jeweilige diskursive Präsentation und die inhaltlichen Schwerpunkte der Fundamentalisten und New Evangelicals analysiert. Damit richtet er den Blick von der Religion auf die Moderne und löst einen in den letzten Jahren mehrfach geforderten Perspektivwechsel ein.

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