Affordable Access

Predictive values derived from lower wisdom teeth developmental stages on orthopantomograms to calculate the chronological age in adolescence and young adults as a prerequisite to obtain age-adjusted informed patient consent prior to elective surgical procedures in young patients with incomplete or mismatched personal data.

Authors
  • Friedrich, Reinhard E1
  • Schmidt, Kirsten1
  • Treszl, András2
  • Kersten, Jan F3
  • 1 Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Kopf- und Neuro-Zentrum, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Deutschland.
  • 2 Institut für Medizinische Biometrie und Epidemiologie, Zentrum für Experimentelle Medizin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Deutschland.
  • 3 Institut für Medizinische Biometrie und Epidemiologie, Zentrum für Experimentelle Medizin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Deutschland; Competenzzentrum Epidemiologie und Versorgungsforschung bei Pflegeberufen (CVcare), Institut für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen (IVDP), Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), Hamburg, Deutschland.
Type
Published Article
Journal
GMS Interdisciplinary plastic and reconstructive surgery DGPW
Publication Date
Jan 01, 2016
Volume
5
Identifiers
PMID: 27975042
Source
Medline
Keywords
License
Unknown

Abstract

Einleitung: Die Durchführung operativer Eingriffe bedarf der rechtsgültigen Aufklärung. Diese hat insbesondere bei geplanten elektiven Eingriffen umfassend und verständlich zu erfolgen. Darüber hinaus hat sich die ärztliche Aufklärung hinsichtlich der Einwilligungserklärung an der juristisch definierten Volljährigkeit zu orientieren. Infolge der großen transnationalen Migrationen gibt es einen Anteil an Patienten, deren Lebensalter unbekannt ist und deren ärztliche Alterseinschätzung das Erreichen des 18. Lebensjahres ausschließlich anhand des äußeren Erscheinungsbildes nur unsicher vermuten lässt. In dieser Situation kann die aus der forensischen Odontostomatologie bekannte Altersschätzung nach den radiologisch bestimmten Entwicklungsphasen der Weisheitszahnentwicklung die juristisch relevante Entscheidung unterstützen, ob die ärztliche Aufklärung einem Heranwachsenden oder Erwachsenen gilt. Da die Beurteilung der Zahnwurzelentwicklungsstadien der Weisheitszähne lediglich einen Zeitkorridor des wahrscheinlichen Lebensalters vorgibt, war es das Anliegen dieser Untersuchung, mit zusätzlichen Parametern der Radiomorphologie des unteren Weisheitszahns die Altersschätzung für das Erreichen des 18. Lebensjahres zu präzisieren.Material und Methoden: Es wurden 1.900 Orthopantomogramme der Kiefer von Patienten mit bekanntem Geburtsdatum untersucht, 5 Orthopantomogramme entsprachen nicht den Einschlusskriterien. Das Lebensalter lag zwischen 15 und 24 Jahren. Es wurde eine Gleichverteilung der Untersuchungsgruppe nach Alter (je Lebensjahr) und Geschlecht bei der Auswahl der Röntgenbilder angestrebt und hinreichend eingehalten. Die Röntgenaufnahmen wurden in den Jahren 2000 bis 2013 in der Abteilung Zahnärztliche Radiologie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf oder in einer mund-kiefer-gesichtschirurgischen Praxis in Rostock angefertigt. Eine mehrfache Untersuchung von Patienten (n=1.804, mit 1.895 auswertbaren Orthopantomogrammen) war nicht ausgeschlossen und wurde ggf. bei den Analysen berücksichtigt. An den unteren Weisheitszähnen wurden vier Parameter bestimmt: Nachweis und Ausdehnung des Parodontalspaltes bzw. der periradikulären Sklerose, vertikaler Knochenverlust des Alveolarfortsatzes im Bereich des Zahnes, Durchbruchsstadium des Zahnes in die Mundhöhle und das Wurzelentwicklungsstadium (nach Demirjian). Nach einer Überprüfung, ob bereits die Erhebung eines Parameters ausreicht und hinreichend gute Erkenntnisse über die Volljährigkeit des Untersuchten liefert, wurden die erhobenen Parameter in drei Ansätzen kombiniert; hier wurde das Augenmerk auf unterschiedliche Aspekte, Anwendungen und Aussagen gerichtet. Die erste Analyse betrachtet die Entwicklung der vier Parameter im jeweiligen Patienten über die Zeit. Der zweite Ansatz untersucht die Vorhersage des Lebensalters basierend auf allen vier erhobenen Parametern unter Berücksichtigung der Messwiederholungen mittels eines gemischten linearen Modells, und schließlich wurden ein Gesamtmodell und geschlechtsspezifische Entscheidungsbäume erstellt, mit deren Hilfe bei Vorliegen der vier erhobenen Parameter eine Abschätzung der Wahrscheinlichkeit für das Erreichen bzw. Nicht-Erreichen der Volljährigkeit abgeleitet werden kann.Ergebnisse: Es ließen sich keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich der Lokalisation der Weisheitszähne (rechts/links) nachweisen. In den univariaten ROC-AUC-Analysen zeigten die Parameter Zahndurchbruchsstadium, Parodontalspalt und der Knochenschwund des den Weisheitszahn umgebenden Alveolarfortsatzes einen klaren signifikanten prognostischen Wert hinsichtlich der Volljährigkeit in der Untersuchungsgruppe. Das Mineralisationsstadium zeigte sich nicht als geeigneter Parameter zur direkten Bestimmung der Volljährigkeit. Für die Prognose scheinen drei der vier Parameter somit geeignet. Betrachtet man die Entwicklung der Zähne in Individuen anhand der vier Parameter mit wachsendem Lebensalter, konnte eine Veränderung der vier Zahnparameter nachgewiesen werden. Eine Umkehr der Kausalität und die Vorhersage des Lebensalters durch die vier Zahnparameter erscheint jedoch problematisch. Eine erhebliche individuelle Komponente ist bei den untersuchten Personen zu beobachten. Dies liegt u.a. daran, dass eine Entwicklung der Weisheitszähne durchaus vor und nach dem Erreichen des 18. Lebensjahres stattfinden kann. In multivariaten Analysen konnte gezeigt werden, dass durch die Kombination der Parameter mit wesentlich größerer Wahrscheinlichkeit ein Lebensalter von 18 Jahren und höher korrekt vorausgesagt werden kann und somit eine Formel die Kalkulation des Alters ermöglicht. Eine Trennung zwischen Heranwachsenden und Volljährigen ist mit einer Formel jedoch bei weitem nicht so perfekt, wie man es sich eigentlich wünschen würde. Ein Entscheidungsbaum, der nach geeigneten, aufeinander abgestimmten Cut-off-Werten sucht, verspricht eine leicht handhabbare Lösung zu liefern. Der Gesamtentscheidungsbaum hatte eine Fläche unter der Kurve (AUC) von 78%. Die Wahl der Entscheidungsregel setzt jedoch eine Abwägung der Priorisierung von Sensitivität oder Spezifität voraus. Ausgehend von der Annahme, dass beide Kriterien gleichwertig sind, lässt sich eine angestrebte Maximierung der Summe der beiden Maßzahlen anstreben. Die Ableitung eines Entscheidungsbaumes führte bei geeigneter Wahl der Knoten zu einer Sensitivität von 74% und einer Spezifität von 73% (hieraus folgt ein Youden-Index von 47%). Eine vollständig sichere Unterscheidung forensisch relevanter Lebensalter ist mit den vorgestellten Methoden somit nicht zu treffen.Diskussion: In der ärztlichen Aufklärung ist besondere Sorgfalt auf die alters- und entwicklungsangepasste Kommunikation mit dem Patienten zu achten. Ein wesentlicher Pfeiler der juristischen Personeneinschätzung ist das Erreichen der Volljährigkeit, die in Deutschland im Grundsatz mit dem 18. Lebensjahr erreicht ist. Für Personen mit unbekanntem Geburtsdatum können gelegentlich Schwierigkeiten entstehen, auf welcher Grundlage die ärztliche Aufklärung zu erfolgen hat, wenn es sich dem Anschein nach um eine Person im fortgeschrittenen Heranwachsenden-Alter handelt. Unter der Voraussetzung, dass die ärztliche Einschätzung für einen geplanten Eingriff von einem einverständnisfähigen Patienten ausgeht, kann die hier vorgestellte Methode die Bestimmung des 18. Lebensjahres anhand einer radiologischen Standarduntersuchung der Kiefer mit Wahrscheinlichkeit leisten. Die biologische Breite der Weisheitszahnentwicklung liegt jedoch beidseits des 18ten Lebensjahres. Die Fehlerbreite nimmt mit zunehmendem Alter ab, insbesondere bei der Abschätzung der Volljährigkeit von tatsächlich bereits 21-Jährigen, erreicht aber auch hier keine vollständige Sicherheit der Abschätzung der Volljährigkeit. Die vorgelegten Untersuchungsergebnisse sind geeignet, die forensische Altersschätzung in mehreren Bereichen ärztlicher Tätigkeit fundiert zu unterstützen. Die Untersuchungsmethoden sind für den Behandler jedoch ungeeignet, anhand dieser Berechnungen sich der genauen Kenntnis der individuellen Lebensumstände des jeweiligen Patienten zu entziehen. Insbesondere die sorgfältig erhobene Lebensgeschichte und körperliche Untersuchung bleiben vorrangig zu bestimmende Werte der Personeneinschätzung. Die Erweiterung des Berechnungsansatzes durch Anwendung in anderen Populationen ist anzustreben.

Report this publication

Statistics

Seen <100 times