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Nimmt die berichtete Wirksamkeit medizinischer Therapien im Lauf der Zeit ab? Der FORE-Bias ("Fading of Reported Effectiveness"-Bias)

Authors
Publisher
Universität Ulm. Medizinische Fakultät
Publication Date
Keywords
  • Metaanalyse
  • Fore-Bias
  • Effizienz
  • Pravastatin
  • Atorvastatin
  • Timolol
  • Latanoprost
  • Fading-Of-Reported-Effectiveness-Bias
  • Meta-Analysis
  • Clinical Trials

Abstract

Sollte die in randomisierten klinischen Studien (RCTs) berichtete Wirksamkeit einer medizinischen Therapie nicht konstant sein, hinge das Ergebnis einer Metaanalyse davon ab, zu welchem Zeitpunkt sie durchgeführt wurde - die Validität einer derartigen Metaanalyse wäre eingeschränkt. Daher wurde in der vorliegenden Arbeit untersucht, ob sich die in RCTs berichtete Wirksamkeit medizinischer Interventionen im Lauf der Zeit verändert. Des Weiteren wurden drei Hypothesen für eine eventuell abnehmende berichtete Wirksamkeit überprüft. Aufgrund etablierter Outcome-Parameter wurden die Lipidsenker Pravastatin und Atorvastatin (Zielparameter: LDL-Cholesterin im Serum) und die Glaukomtherapeutika Timolol und Latanoprost (Augeninnendruck IOP) für die Metaanalyse ausgewählt. Von jeder der eingeschlossenen 206 Studien wurden Publikationsjahr, Mittelwert des Zielparameters vor und nach Intervention, Patientenzahl und Klassifizierung als experimentelle oder Vergleichsgruppe erfasst. Die berichtete Wirksamkeit von Pravastatin nahm im Lauf der Zeit ab (Abnahme des berichteten Therapieeffekts in fünf Jahren: - 3,22 % LDL, P < 0,0001), gleiches gilt für Timolol (- 0,56 mmHg IOP, P < 0,0001) und Latanoprost (- 1,78 mmHg, P = 0,0074). Im Falle von Atorvastatin wurde keine signifikante Änderung im Lauf der Zeit beobachtet. Ich nenne den Effekt der im Lauf der Zeit abnehmenden berichteten Wirksamkeit FORE-Bias ("fading of reported effectiveness" Bias). Eine multiple Regressionsanalyse zeigte, dass bis zu 80,37 Prozent der Variabilität der berichteten Wirksamkeit durch die Ausgangswerte erklärbar waren, d. h. im Lauf der Zeit werden in die Studien immer "gesündere" Patienten eingeschlossen, bei welchen kein so großer Therapieeffekt mehr erzielt werden kann. Die Studiengröße und die Behandlungsgruppe spielten nur eine untergeordnete Rolle. Wird in einer Metaanalyse eine FORE-Bias nachgewiesen, so ist ihre Validität eingeschränkt.

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