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Schiller und die praktischen Ideen

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Universitäts- und Landesbibliothek
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Programm des Königlichen Gymnasiums zu Aurich - Schiller und die praktischen Ideen Mler unä M MalltiMen Iäeen. *) H>ie praktischen Ideen der innern Freiheit, der Vollkommenheit, des Wohlwollens, des Rechts und der Billigkeit haben sich in Schiller herrlich offenbart. Sie sind nicht — etwa als Vorbilder oder Vorschriften — bloß von außen an ihn hinangekommen, haben nicht bloß seinen Verstand und seine Phantasie beschäftigt, sondern sie sind in seinem Her¬ zen lebendig und kräftig geworden. Früh schon haben sie ihn ergriffen, dann mehr und mehr durchdrungen und so bis ans Ende seiner hohen Laufbahn getreulich fest gehalten. Sie sind sein Genius, sein guter und starker Genius geworden. In seiner Kindheit, die vernünftig geleitet wurde und ruhig verlief, geben sie sich am eigenthümlichsten kund durch sein leichtes und tiefes Verständniß sittlicher und religiöser Anklänge und durch seine Hinneigung zu ihrer Heimat und ihrem ewigen Ursprünge. In seiner Jugend, wo auch die Unvernunft in allerlei Gestalten auf ihn eindrang, kehren sich die Fühlfäden seines Gewissens vorzugsweise nach außen gegen die erscheinende und erschie¬ nene moralische und unmoralische Welt. Bald werden sie von herrlichen Vrscheinuugcn der Neuzeit und des Alterthums lebhaft angezogen, bald durch häßliche Thaten und Zustände heftig abgestoßen. Nicht lange, so treibt den bewegten Zuschauer sein edles Gemüth auf den großen sittlichen Kampfplatz und macht ihn zum eifrigen Streiter für Wahrheit und Freiheit und zum erklärten Feinde aller Lüge und sinnlosen Gewalt. In seinen männlichen Jahren verliert sich zwar das Brausen der Jugend, aber ihre Richtung bleibt und ihre Kraft nimmt fortwährend zu. Sein Sinn ist durchgehends dem Sittlichen zugewandt und wird dabei immer weiter, tiefer und klarer. In seinem letzten Stadium kehrt er beruhigt und gereinigt auch gern wieder zu dem Göttlichen zurück, „wie er einst in frommer Un¬ schuld vom Göttlichen ausgegangen war". (Hoffmeister V. 383.) Treten uns aber aus Schillers ganzem Leben un

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