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Formen der Verzeitlichung : der Wandel des Faustschen Naturbildes und seine historischen Hintergründe

Authors
Keywords
  • Ddc:830
  • Johann Wolfgang Von Goethe

Abstract

PETER MATUSSEK 1 Erschienen in: Matussek, Peter (Hg.): Goethe und die Verzeitlichung der Natur; München 1998, S. 202–233. Peter Matussek Formen der Verzeitlichung. Der Wandel des Faustschen Naturbildes und seine historischen Hintergründe Goethes Faust kann im doppelten Sinne als "Drama der Verzeitlichung" gelesen werden:1 Das Werk problematisiert den in ästhetischer wie außerästhetischer Hinsicht dramatischen Wandel der kulturellen Anschauungsformen vom Raum zur Zeit, von der Naturalisierung der Geschichte bis zur Historisierung der Natur. Diese Feststellung, die im folgenden konkretisiert werden soll, gründet sich auf die Beobachtung einer bemerkenswerten Korrelation. In der über sechzigjährigen Entstehungsgeschichte des Faust hat Goethe es vermocht, den jeweils aktuellen Stand seiner Auseinandersetzung mit den Akzentverschiebungen und Umwälzungen im naturgeschichtlichen Denken seiner Zeit dramaturgisch zu verarbeiten, ohne das früher Gestaltete durch das später Hinzugekommene zu ersetzen. Das diachrone Arbeitsverfahren hat denn auch in der Komposition des Werks deutliche Spuren hinterlassen. Manche Brüche im dramatischen Ablauf und manche Wechsel der Sprachform sind nur durch die historischen Zeitverschiebungen zu erklären, erhalten durch deren Reflexion aber auch ihren prägnanten Sinn. So ist die polyzentrische Anlage des Faust keineswegs so konzeptionslos, wie es Goethe immer wieder vorgeworfen wurde. Allerdings hat er es seinen Kritikern nicht leicht gemacht. In einem Brief an Schiller etwa nennt er das Drama eine "Schwammfamilie" (1.7.1797), und den Direktor im Vorspiel läßt er von einem "Ragout" (V. 100) sprechen. Doch 1In komprimierter Form habe ich dies im Schlußabschnitt meines Handbuchartikels (Matussek 1996c) getan, unter Voraussetzung von Erkenntnissen, die ich in meinem Faust-Buch (Matussek 1992) ausführlich dargelegt habe und die auch hier aus Platzgründen weitgehend implizit bleiben müssen

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