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Klangbewusster Expressionismus: Moderne Techniken des rituellen Ausdrucks

Authors
Publisher
Weidler
Publication Date

Abstract

Die Forschung zur Modernität des Expressionismus betont zu Recht den Unterschied zwischen den messianischen und den subversiven Tendenzen der ‘Epoche’; das Verhältnis dieser Tendenzen zur Ästhetik der Moderne ist in entscheidender Hinsicht gegenläufig. Während der messianische Expressionismus ästhetische Formen nutzt, um für ethische Orientierungen zu werben, bemüht sich die subversive Richtung, Formen spezifisch ästhetischer Erkenntnis mit eigenständigem Geltungsanspruch herauszuarbeiten. Die für die literarische Moderne kennzeichnende Autonomisierung des Ästhetischen wird daher im Expressionismus, so scheint es, nur von subversiven Tendenzen vorangetrieben. Die Studie zeigt indessen, daß dieses Epochenbild ergänzungsbedürftig ist. Wenn die messianische Richtung den ästhetischen Eigensinn hörbarer Formen heiligt, um den literarischen Ausdruck zur Realpräsenz des Sakralen zu steigern, ist die ästhetische Form moderner als ihr semantischer Gehalt. Und wenn die subversive Richtung ihren Anspruch, sich dem unbegreiflichen Sog der Autorität eines metaphysischen Anderen hinzugeben, mit oftmals hörbaren ästhetischen Formen sinnenfällig bestätigt, ist der literarische Ausdruck als Exerzitium religiös stärker eingebunden, als die richtungsspezifische Subversion religiöser Sinnsetzungen zu erkennen gibt. Solange diese ambivalenten Beziehungen des Expressionismus zur ästhetischen Moderne unterbestimmt bleiben, gerät der Beitrag der messianischen Richtung zur Modernisierung des Ästhetischen ebenso aus dem Blick wie das Ausmaß der formprägenden Bedeutung religiös-ritueller Ansprüche im subversiven Expressionismus.

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