Affordable Access

Access to the full text

Die zwei Lebensläufe des Klaus Joachim Zülch (1910–1988)

Authors
  • Martin, Michael1, 2
  • Fangerau, Heiner1
  • Karenberg, Axel2
  • 1 Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Düsseldorf, Deutschland , Düsseldorf (Germany)
  • 2 Universität zu Köln, Joseph-Stelzmann-Straße 20, Köln, 50931, Deutschland , Köln (Germany)
Type
Published Article
Journal
Der Nervenarzt
Publisher
Springer-Verlag
Publication Date
Feb 17, 2020
Volume
91
Issue
Suppl 1
Pages
61–70
Identifiers
DOI: 10.1007/s00115-019-00819-6
Source
Springer Nature
Keywords
License
Yellow

Abstract

Vor allem aufgrund seiner Arbeiten zur Pathologie und Biologie der Hirntumoren, die zur Grundlage für die Klassifikation der WHO wurden, zählt Klaus Joachim Zülch zu den wissenschaftlich und klinisch herausragenden Neurologen und Neuropathologen in der BRD. In den Jahren 1961 bis 1962 führte er als Vorsitzender die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN), die ihn 1978 zum Ehrenmitglied und 1984 zum Ehrenvorsitzenden ernannte. Neben dem Zülch-Preis der Max-Planck-Gesellschaft richtet die DGN auf ihrem Jahreskongress eine Zülch-Lecture aus. Wie Archivdokumente zeigen, begeisterte sich Zülch früh für Ideen des Nationalsozialismus. Er war Mitglied in paramilitärischen Verbänden, trat 1933 der SA und 1937 der NSDAP bei. Nach Ausbildungsstationen u. a. bei Otfrid Foerster in Breslau und Georg Schaltenbrand in Würzburg war er während des Zweiten Weltkriegs als Truppen- und Lazarettarzt verpflichtet, setzte jedoch seine wissenschaftliche Arbeit am Kaiser-Wilhelm-Institut für Hirnforschung in Berlin bei Wilhelm Tönnis fort. Im Juli 1947 in Hamburg aufgrund der SA-Zugehörigkeit entlassen, legte er Widerspruch gegen diese Entscheidung der Alliierten ein und erreichte in einem längeren Entnazifizierungsverfahren auch mithilfe von für ihn hilfreichen Stellungnahmen verschiedener Neurologen die Einstufung als „Entlasteter“. So konnte er seine Karriere erfolgreich in Köln fortsetzen und wirkte ab 1959 in einer Doppelfunktion als Direktor der neu eingerichteten Abteilung für Allgemeine Neurologie des Max-Planck-Instituts und Chefarzt der Neurologischen Klinik Köln-Merheim. Aus historischer Sicht belegt vor allem der Vergleich eines um 1938 selbst verfassten Lebenslaufes mit einem Curriculum Vitae aus der Nachkriegszeit, wie Zülch neben dem Verschweigen ihn belastender Fakten um eine partielle, letztlich erfolgreiche Neukonstruktion seiner Biographie bemüht war.

Report this publication

Statistics

Seen <100 times