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Die Erfindung des Investiturstreits

Authors
  • Kohl, Thomas1
  • 1 Eberhard Karls Universität Tübingen, 72074 , (Germany)
Type
Published Article
Journal
Historische Zeitschrift
Publisher
De Gruyter Oldenbourg
Publication Date
Feb 01, 2021
Volume
312
Issue
1
Pages
34–61
Identifiers
DOI: 10.1515/hzhz-2021-0002
Source
De Gruyter
Keywords
License
Yellow

Abstract

Der Beitrag untersucht, wann und wie die Laieninvestitur zum zentralen Streitgegenstand im sogenannten „Investiturstreit“ wurde und in welchem Kontext der Begriff Investiturstreit entstand. Er plädiert dafür, lediglich die letzte Phase der Auseinandersetzungen von 1100/11 bis 1122 als „Investiturstreit“ zu bezeichnen und von der durch Schismen gekennzeichneten Zeit davor abzusetzen. Denn erst nach 1100, vor allem nach der Gefangennahme Paschalis’ II. und der Ausstellung des Investiturprivilegs 1111, trat das Thema „Laieninvestitur“ in den Vordergrund der Auseinandersetzungen. Die vorangegangenen Konflikte der Zeit Heinrichs IV., die tatsächlich auf einer unübersichtlichen Gemengelage von Themen und Konfliktlinien beruhten, wurden seit 1111 retrospektiv als Investiturkonflikte gedeutet. Mit der steigenden Bedeutung der Laieninvestitur hing eine subtile Bedeutungsverschiebung des Wortes „investitura“ zusammen, denn die Investitur wurde zunehmend als der entscheidende Vorgang in der Erhebung eines Bischofs oder Abts verstanden. Obwohl die Laieninvestitur den Zeitgenossen seit 1111 allgemein als zentraler Konfliktgegenstand galt, findet sich eine Charakterisierung als „querela investiturarum“ oder „controversia investiturae“ erst seit den 1120er Jahren. Dies geschah vor allem in Kontexten, in denen ein Kontrast zwischen Heinrich V. und den Königen von England (bei William von Malmesbury) und Frankreich (bei Suger von Saint-Denis) hergestellt werden sollte. Übernimmt man diese Deutung der Auseinandersetzungen im Reich zwischen 1076 und 1122 als Investiturstreit, so schließt man sich einerseits der rückblickenden Deutung der Zeit nach 1111 und andererseits den politisch motivierten Interpretationen des Geschehens seit den 1120/30er Jahren an und verstellt damit den Blick auf die Hintergründe der Auseinandersetzungen der Zeit Heinrichs IV. sowie ihren europäischen Kontext.

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