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Zur pädagogischen Legitimität gesellschaftlicher Verhaltenserwartungen

Authors
Publisher
Beltz
Publication Date
Keywords
  • 370 Erziehung
  • Schul- Und Bildungswesen

Abstract

Zur pädagogischen Legitimität gesellschaftlicher Verhaltenserwartungen* von H E L M U T H E I D I Die Pädagogik — so sagt G E O R G GEISSLER unter Berufung auf R O U S - SEAU — gewinnt „nur dann ihre Freiheit. . ., wenn sie in dem immer leben- digen Gegensatz zwischen individuellem Leben und der objektiven Kultur den einzelnen Menschen. . . vertritt" ( 4 9 , 1 7 und passim; u. v. a. auch: 1 2 6 , 1 3 2 f. u. ö.; referierend: 1 4 2 , 2 9 0 f.)1). Die Frage, in wessen Namen, zu welchem Ziel, mit welcher Legitimation „die Pädagogik" den einzelnen Menschen vertritt oder zu vertreten habe, wird sehr oft mit der These beantwortet, im Namen und zum Ziel eben dieses einzelnen Menschen selbst ( 2 6 , 1 0 4 ) . So lauten denn auch die klassischen Maximen „der Pädagogik": „Selbst- entfaltung", „Emporführung des Kindes" bzw. Erziehungssubjektes zu „seiner individuellen Bestimmung" ( 27 ,7 ) oder auch „harmonische Entfal- tung aller Anlagen". Fragt man nun danach, was sich daraus für den Erzieher in irgendeiner konkreten Erziehungssituation praktisch ergibt, so gerät man in große Schwierigkeiten. In diesem Zusammenhang können nur einige dieser Schwierigkeiten in stilisierender Kürze dargestellt werden: 1 . Dasjenige, was der Educandus ist, was ihm möglich ist, wozu er befähigt und bereit ist, kann überhaupt nur erfaßt werden mit Bezug auf gesellschaftlich belangvolle2) und damit auch soziokulturell relative Lei- stungen ( 7 0 , 3 9 ff.; 6 1 , 5 6 1 ff.). Allein der Zwang zur Operationalisierung der diagnostischen Kriterien setzt den Möglichkeiten der Thematisierung „aller" Entfaltungsfähigkeit relativ enge Grenzen. Bereits insofern hängt * Die zentralen Thesen in Teil III dieses Beitrages wurden im Sommersemester 1 9 6 4 in einem sozialpädagogischen Arbeitskreis der Universität Köln referiert. Die vorlie- gende Fassung des gesamten Aufsatzes war im Sommer 1 9 6 7 abgeschlossen; seither er- schienene Literatur wurde bei einer redaktionellen Überarbeitung berücksichtigt.

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