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Die Normalität der Gewalt : Konfliktparteien und "Zuschauer" fünf Jahre nach dem Ende der Militärdiktatur in Chile

Authors
Publisher
Westdt. Verl.
Publication Date
Keywords
  • Political Science
  • Politikwissenschaft
  • Chile
  • Demokratie
  • Polizei
  • Militär
  • Bevölkerung
  • Einstellung
  • Alltag
  • Staat
  • Gewalt
  • Andenraum
  • Entwicklungsland
  • Südamerika
  • Lateinamerika
  • Ag Soziologie Der Politik
  • Staat
  • Politisches System
  • Political System
  • Constitution
  • Government
  • Descriptive Study
  • Deskriptive Studie

Abstract

"Fünf Jahre nach dem Niedergang der Militärdiktatur gilt Chile als demokratischer Staat, der nicht mehr durch Repression und Menschenrechtsverletzungen, sondern als 'Schweiz Lateinamerikas' durch Wirtschaftswachstum und technologischen Fortschritt in die Wahrnehmung der deutschen Öffentlichkeit gelangt. Dennoch fallen der europäischen Beobachterin einige Besonderheiten ins Auge: Polizei und Militär haben die chilenische 'Wende '89' ohne Personalwechsel überstanden und konnten ihre politische Macht und ihren gesellschaftlichen Einfluß in erheblichem Ausmaß erhalten. Die chilenische Polizei in ihrer Doppelgestalt als uniformierte 'Carabineros' und zivile 'Investigaciones' ist auffällig präsent und dominant in den Straßen von (Santiago de) Chile, auf öffentlichen Plätzen und in öffentlichen Einrichtungen. Die Sicherheitsorgane repräsentieren das staatliche Gewaltmonopol, das zur Erhaltung und Stabilisierung des Status quo bis an die Grenzen der Legalität (und darüber hinaus) ausgeschöpft wird. Diese Beobachtung ist vor dem Hintergrund des politischen Machtwechsels der Anlaß, das Verhältnis der chilenischen Bevölkerung zu den staatlichen Sicherheitsorganen zu durchleuchten. Die polizeilichen Aktivitäten richten sich als Prävention und Repression vorrangig gegen Opposition und Kriminelle. Deren Einstellung ist von der Haltung des unpolitischen bzw. inzwischen mehr oder weniger entpolitisierten Bürgers zu unterscheiden. Verunsichert durch das modernisierungsbedingte Spannungsverhältnis zwischen Konsumoptionen und Existenznöten ist er im wesentlichen an einer 'Normalisierung des Alltags' interessiert. Restriktive polizeiliche Maßnahmen gegen 'gefährliche Klassen', also Bevölkerungsgruppen, die wie auch immer die Ordnung gefährden, tragen aus seiner Perspektive zur Sicherung und Stabilisierung der ungesicherten Lebensverhältnisse bei. Die Krise des staatlichen Gewaltmonopols, das sich in modernen Gesellschaften in einem Auflösungsprozeß befindet, scheint sich in dieser Akzeptanzhaltung des chilenischen Bürgers den staatlichen Sicherheitsorganen gegenüber nicht fortzusetzen. Polizei und Militär treten gleichermaßen aus Repräsentanten der alten und Garanten der neuen Ordnung auf." (Autorenreferat)

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