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Einfluss forstlicher Maßnahmen auf Raubmilben (Gamasida, Acari) temperierter mitteleuropäischer Wälder

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Technische Universität
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Abstract

Es wurde die Gamasida-Fauna in den Wäldern des Sollings und der Einfluss der forstlichen Maßnahmen: Baumartenzusammensetzung im Bestand, Kalkung und Femelschlag auf die Zönose untersucht. In der Hauptuntersuchung wurde jeweils ein Gradient von Buchen- zu Fichtenreinbestand mit einem dazwischen liegenden Mischbestand untersucht. Die Bestände lagen jeweils in einem 30- und einem 120-jährigen Waldgebiet. Die Probenahmen erfolgten in etwa vierteljährigen Abständen vom August 1994 bis zum Mai 1996. Die Femelflächen befanden sich in einem 150-jährigen Buchenwald. Die Hälfte der Flächen (Femel und Waldbestände) wurden gekalkt. In den Altbeständen (150-jährig) und den Femeln erfolgten die Probenahmen im Oktober 1993 und im Juni 1994. Die Austreibung der Bodenfauna erfolgte nach dem modifizierten Verfahren „high-gradient canister“. Über eine Literaturrecherche wurden die ökologischen Ansprüche der determinierten Arten festgestellt und diese in ökologische Gruppen aufgeteilt. Während der Untersuchung wurden insgesamt 98 Gamasida-Taxa determiniert. 84 Taxa kamen in der Untersuchung in unterschiedlich alten und unterschiedlich zusammengesetzten Waldbeständen vor, 56 in der Untersuchung des Einflusses der Kalkung und des Femeleinschlages. Beiden Untersuchungen waren 43 Taxa gemeinsam, 41 Taxa kamen nur in der ersten und nur 13 in der zweiten Untersuchung vor. Die Waldstandorte des Sollings wiesen mittlere Abundanzen der Gamasida zwischen ca. 10.300 und 15.400 Ind./m2 bei einer relativ hohen Artenvielfalt auf (27 bis 49 Taxa pro Standort). Die jüngeren Bestände wiesen für jede Baumartenzusammensetzung stets niedrigere Taxazahlen im Vergleich zu den älteren Standorten auf. Innerhalb der gleichaltrigen Bestände sind die Buchenwälder die taxareichsten und die Mischbestände die taxaärmsten. Die Unterschiede der Abundanzen waren unter dem Aspekt der Baumartenzusammensetzung oder des Bestandalters nicht signifikant. Die Dichten auf den gekalkten Flächen waren im Vergleich zu den ungekalkten signifikant höher, wobei der Unterschied in den Wäldern wesentlich kleiner war als auf den Femeln. Die untersuchten Femel beherbergten eine wesentlich höhere Gamasida-Dichte auf gekalkten (über 20.000) bzw. wesentlich niedrigere Gamasida-Dichte auf nicht gekalkten Flächen (ca. 6.700 Ind./m2) mit Artenzahlen zwischen 35 auf ungekalkten und 42 auf gekalkten Standorten. Die Dichten der meisten Haupttaxa unterschieden sich auf den verschiedenen Standorten signifikant voneinander. Manche Taxa erreichten höhere Dichten in Beständen eines bestimmten Alters, andere bei einer bestimmten Baumkombination im Bestand. Auch die Dominanzanalyse der Gamasida ergab Unterschiede für die einzelnen Standorte. Die Dichten variierten zu den unterschiedlichen Zeitpunkten der Probenahmen und schwankten zwischen ca. 16.500 im Sommer 1995 und ca. 9.500 Ind./m2 im Winter 1996. Im Verlauf des Jahres erreichten die Gamasida im Solling die niedrigsten Dichten im Winter. Im Frühjahr bzw. Sommer stiegen diese an. Die Tiefenverteilung der Gamasida unterschied sich nicht wesentlich über die untersuchten Jahre hinweg. Der Mittelpunkt des Vorkommens war die Streu. Es wurden keine Hinweise auf relevante jahreszeitlich bedingte Dichteverlagerungen gefunden. Die Diversität-Indices nach Shannon-Wiener unterschieden sich in beiden Teiluntersuchungen jeweils signifikant voneinander. Die Buchenreinbestände waren durch höchste Index-Werte charakterisiert. Die Diversität-Indices unterschieden sich auch signifikant unter dem Faktor Kalkung. Die Evenness-Werte der untersuchten Standorte im Solling gaben Hinweis auf eine eher ausgeglichene Verteilung der Individuen auf die Taxa und unterschieden sich in Altersklassen und in Baumartenzusammensetzungen nicht signifikant voneinander. Die ähnlichste Gamasida-Zusammensetzung der Wälder wiesen die unterschiedlich alten Mischbestände mit 60 %-iger Übereinstimmung der vorkommenden Taxa auf. Die Berücksichtigung der Dominanzanteile der Taxa identifiziert das Vorkommen der Buche als Schlüsselfaktor für die Ähnlichkeit der Flächen. Die Flächen, auf denen eine Störung des Habitates erfolgte, ob Femelschlag oder Düngung, haben eine ähnlich gerichtete Veränderung der Gamasida-Fauna erfahren (64 %-ige Übereinstimmung des Arteninventars). Die Waldarten waren am stärksten in den ältesten (150-jährigen) Buchenbeständen vertreten, etwas weniger in 120-jährigen und am schwächsten in 30-jährigen Wäldern. Eine gegenläufige Tendenz zeigten die eurytopen Arten. Auf den Femeln waren die Waldarten mit 50 % der Dominanzanteile, die eurytopen Arten zu ca. ⅓ in der Zönose vertreten. Das Kalken bewirkte keine große Veränderung bei den Dominanzanteilen der Waldarten. Die Gamasida-Fauna der untersuchten Standorte war meist durch die Fresser von Arthropoden dominiert. Je älter die Waldbestände, desto höhere Dichten erreichten die Vertilger wurmartiger Beute und die omnivoren Gamasida. Der Einfluss der Baumartenzusammensetzung auf die Verteilung der trophischen Gilden ist nicht ausgeprägt. Die gedüngten Flächen enthielten im Vergleich höhere Dichten der Vertilger von wurmartiger Beute, der Arthropodenfresser und der omnivoren Gamasida. Nach dem Femelschlag stiegen die Anteile der Arthropodenfresser, während die Anteile der Fresser wurmartiger Beute sanken. In der Tendenz wiesen die 30-jährigen Bestände im Vergleich zu den 120-jährigen niedrigere Feuchten und gleichzeitig Arten auf, die eher trockenere Standorte bevorzugen oder tolerieren. Die phoretischen Gamasida kamen relativ gleichmäßig auf den unterschiedlich bestockten Wäldern vor. Die Nestmitbewohner sind mit einer doppelt so hohen Dominanz in den älteren Beständen vertreten. Mit Hilfe der Korrespondenzanalyse wurde die Verteilung der Arten im Verhältnis zu den Standortfaktoren: Wald (hier 150-jähriger Buchenbestand) und Femel mit und ohne Düngung sowie Fichtenrein-, Buchenrein- und Mischbestände im Alter von 30 und 120 Jahren analysiert. Die Ordination der Taxa gemeinsam mit den Standortfaktoren erlaubte die Bestimmung von charakteristischen Taxakombinationen.

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