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Die Sagittale-Okklusions-Analyse (SO-Analyse) bei Verwendung verschiedener Bezugslinien

Authors
Publisher
Justus-Liebig-Universität Gießen
Publication Date
Keywords
  • Medical Sciences Medicine

Abstract

In einer röntgenkephalometrischen Untersuchung kieferorthopädisch behandelter Klasse II-Dysgnathien (Herbst-Apparatur) sollte der Aussagewert der SO-Analyse nach Pancherz bei Verwendung verschiedener Bezugslinien überprüft werden. Von 17 hypo- (ML/NSL 26°) und 13 hyperdivergenten (ML/NSL 37°) Probanden standen je zwei Fernröntgenseitenbilder (FRS) zur Auswertung zur Verfügung; eins vor der Behandlung (T1) und eins nach der Behandlung (T2). Die FRS wurden je verwendeter Bezugslinie zweimal durchgezeichnet und mittels der SO-Analyse vermessen. Hierbei fanden folgende Bezugslinien Anwendung: - Oberkiefer(OK)-Okklusionslinie [OL], an T2 von T1 übertragen [OL(ü)] beziehungsweise neu definiert [OL(nd)] - Unterkiefer(UK)-Okklusionslinie [UL], an T2 von T1 übertragen [UL(ü)] beziehungsweise neu definiert [UL(nd)] - Gemittelte OK/UK-Okklusionslinie [OUL], an T2 von T1 übertragen [OUL(ü)] - Gemittelte Kieferbasislinie [KL], an T2 von T1 übertragen [KL(ü)] beziehungsweise neu definiert [KL(nd)] - Frankfurter Horizontale [FH], an T2 von T1 übertragen [FH(ü)] - Nasion-Sella-Linie [NSL], an T2 neu definiert [NSL(nd)] Folgende Ergebnisse konnten ermittelt werden: Die Overjetkorrektur setzte sich sowohl aus skelettalen als auch dentalen Veränderungen zusammen. Unterschiede zwischen den einzelnen Bezugslinien waren zu erkennen, die auf die verschieden starken Kippungen der Bezugslinien während der Behandlung zurückzuführen sind. Besonders auffallend war das Verhältnis des skelettalen zum dentalen Beitrag zur Overjetkorrektur bei der UL(nd): 143 % skelettaler Beitrag bei der Gruppe der hypodivergenten Probanden beziehungsweise 99 % bei der hyperdivergenten Gruppe. Der dentale Beitrag war dementsprechend der Behandlung entgegenwirkend beziehungsweise sehr gering. Auch die anderen neu definierten (nd) Bezugslinien wiesen zum Teil große Unterschiede auf: Skelettaler Beitrag 40 % [NSL(nd)] bis 69 % [OL(nd)] bei den hypodivergenten, 20 % [NSL(nd)] bis 46 % [OL(nd)] bei den hyperdivergenten Probanden. Bei den am T1–Bild übertragenen (ü) Bezugslinien hingegen waren die skelettalen und dentalen Beiträge zur Korrektur vergleichbar: Skelettaler Beitrag 35 % [FH(ü)] bis 45 % [KL(ü)] bei den hypodivergenten, 24 % [FH(ü)] bis 32 % [KL(ü)] bei den hyperdivergenten Probanden. Die Molarenkorrektur setzte sich ebenfalls sowohl aus skelettalen als auch dentalen Veränderungen zusammen. Unterschiede zwischen den einzelnen Bezugslinien waren aufgrund der verschieden starken Kippungen der Bezugslinien zu erkennen, besonders auffallend war wiederum das Verhältnis des skelettalen zum dentalen Beitrag zur Molarenkorrektur bei der UL(nd): 126 % skelettaler Beitrag bei der Gruppe der hypodivergenten Probanden beziehungsweise 100 % bei der hyperdivergenten Gruppe. Der dentale Beitrag war dementsprechend der Behandlung entgegenwirkend beziehungsweise nicht vorhanden. Wie bei der Overjetkorrektur wiesen auch hier die anderen neu definierten (nd) Bezugslinien zum Teil große Unterschiede auf: Skelettaler Beitrag 40 % [NSL(nd)] bis 68 % [OL(nd)] bei den hypodivergenten, 21 % [NSL(nd)] bis 54 % [OL(nd)] bei den hyperdivergenten Probanden. Bei den am T1–Bild übertragenen (ü) Bezugslinien hingegen waren die skelettalen und dentalen Beiträge zur Korrektur wiederum vergleichbar: Skelettaler Beitrag 35 % [FH(ü)] bis 50 % [KL(ü)] bei den hypodivergenten, 25 % [FH(ü)] bis 36 % [OL(ü)] bei den hyperdivergenten Probanden. Als Schlussfolgerung lassen sich für die SO-Analyse die am T2–Bild vom T1-Bild übertragenen (ü) Bezugslinien empfehlen. Die am T2–Bild neu definierten (nd) Bezugslinien sind aufgrund ihrer Veränderlichkeit während der Behandlung ungeeignet. Besonders auffallend ist dies, zumindest was die Herbst-Behandlung betrifft, bei der UL(nd) zu sehen, weil die UL während der Behandlung stark kippt.

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