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Über träume in fremden sprachen bei gesunden und aphasischen

Authors
Journal
Neuropsychologia
0028-3932
Publisher
Elsevier
Publication Date
Volume
3
Issue
3
Identifiers
DOI: 10.1016/0028-3932(65)90024-2

Abstract

Zusammenfassung Die polyglotten Aphasiker bevorzugen bei der Rückbildung ihrer Sprachstörung eine bestimmte Sprach—meist ihre Muttersprache vor den anderen. Dies geschieht unbewusst. Über die Gründe, warum gerade eine bestimmte Sprache ausgewählt wird, gibt es viele Meinungen. Wenn ein gesunder Polyglotter beim Reden eine bestimmte Sprache auswählt, dann tut er es bewusst. Es gibt im normalen Seelenleben nur eine Situation, bei der der Polyglotte unbewusst eine Sprache auswählt, das ist der Traum. Aus diesem Grunde wurden von Polyglotten Traumberichte gesammelt (21 Personen mit 29 Traumberichten). Unter ihmen befand sich eine posttraumatische Aphasie und eine Hirnverletzte ohne Aphasie. Es ergab sich, dass die Hauptursache eines polyglotten Traumes das fremdsprachige Milieu des Traumes ist. Als zweite Ursache tritt die am Abend vor dem Traume erfolgte innere Einstellung auf die Sprache ein. Auch emotionale Einstellungen zu bestimmten Völkern können über die Auswahl der Sprache im Traume entscheiden. Ebenso können optische Momente für die Sprachauswahl richtungseweisend sein. Es bestehen daher viele Parallelen zwischen der Sprachauswahl bei den polyglotten Aphasien und der bei den polyglotten Träumen. Phaenomenologisch ist beachtlich, dass der Träumer glaubt, die Fremdsprache im Traume meist besser zu sprechen, als er es in Wirklichkeit tut. Ein Dialekt kann im Traume die entsprechende Schriftsprache ersetzen. Der polyglotte Träumer kann auch ein Urteil über die Qualität der Fremdsprachen, die im Traume ein anderer spricht, abgeben. Merkwürdigist, dass manche Träumer von Worten oder Schriften träumen, die sie nicht verstehen, von denen sie aber überzeugt sind, dass sie einer ganz bestimmten Sprache angehören. Einen besonderen Charakter haben die Linguistenträume.

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