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Was ist Theologie bei Thomas von Aquin?

Authors
Publisher
Institute of Philosophy and Theology of Society of Jesus
Publication Date

Abstract

Unter dem Titel »Was ist Theologie bei Thomas von Aquin?«, behandelt der Autor zwei Grundfragen: 1. Was heisst eigentlich »sacra doctrina« in der einleitenden quaestio 1, pars I der Summa theologiae des Thomas von Aquin? 2. Wenn »sacra doctrina« nicht einfach Theologie der Theologen ist, — wie sie aber seit dem 14. Jahrhundert tatsächlich verstanden wurde — welche sind dann die wissenschaftliche Folgerungen dieser Abwandlung der »sacra doctrina« zur »Theologie der Theologen«? Im ersten Teil seiner Abhandlung zeigt der Autor dass »sacra doctrina« ein allumfassendes wissenschaftliches Ganze bedeutet, das die folgenden Hauptteile enthält: die »scientia Dei« (als Urgrund), die »revelatio divina« und »arti-culi fidei« (als Grund), die »sacra Scriptura« (als Ort), die »praedicatio« und »theologia doctorum et magistrorum« (als geschichtlichinterpretatorische Wei-terentwicklung). Die »sacra doctrina« bedeutet also bei Thomas in erster Linie die Offenbarung bringende Heillige Schrift bzw. seine Lehre (doctrina), und nur ableitend die Theologie als menschliche Wissenschaft. Deswegen kann Thomas so oft die Termini »sacra Scriptura« und »sacra doctrina« füreinander gebrauchen. — Thomas bezeichnet aber dieses Ganze auch als eine »scientia«. Damit will er offenbar sagen, dass die Mitteilung der Offenbarung zunächst in der Heiligen Schrift einen wissenschaftlichen Charakter hat, insofern nämlich die Apostel und Propheten aus den »articuli fidei« ihre Offenbarkeit (das »revelabile«) herausgezogen und erläutert haben. Im zweiten Teil der Abhandlung werden aufgrund des obigen wissenschaftlichen Zusamenhanges die verhängnisvollen Folge(runge)n der Abwandlung der »sacra doctrina« des Thomas zur Theologie der Theologen gezeigt. Es seien lediglich die folgenden erwähnt: a) Die »scientia Dei« wird als Grund der Theologie der Theologen betrachtet (z. B. Chenu). b) Die »sacra Scriptura« wurde als literarisches Ganzes mit allen ihren Sätzen, Worten und folglich auch mit dem ihnen innewohnenden geschichtlich bedingten Weltbild mit der »revelatio divina« identifiziert. Die so gesehene Heilige Schrift wurde als Prinzip des Glaubens und der Theologie (der Theologen) angenommen. Sie wurde also als »sola Scriptura« verstanden. Dieses Prinzip zeigte aber später ihre verhängnisvollen. Folge(runge)n gegenüber den naturwissenschaftlichen Entdeckungen (Kopernikus, Kepler, Galilei usw.). c) Die Philosophie, die Thomas als die »ancilla« der »sacra doctrina« betrachtet, musste im Sinne der »metaphysica« und theologia« (vgl. In Metaph., Proemium) aufgehoben werden. Sie ist nur oder vorwiegend noch als »logica« und »philosophia naturalis« geblieben. Die Schlussfolgerung des Autors lautet: Wir müssen die durch-die Aneignung der ganzen Struktur der »sacra doctrina« des Thomas übermächtigte Theologie der Theologen gründlich in Frage stellen, wenn wir die verhängnisvollen geschichtlich-doktrinäre, Folge(runge)n einer solchen Theologie endlich beseitigen wollen.

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