Affordable Access

Kulturwissenschaften - eine Übersetzungsperspektive (im Gespräch mit Boris Buden)

Authors
Publication Date
Keywords
  • Übersetzung
  • Kulturwissenschaft
  • Ddc:800

Abstract

Microsoft Word - Dokument2 1 06 2008 Kulturwissenschaften - eine Übersetzungsperspektive Doris Bachmann-Medick / Boris Buden Boris Buden: In Ihrem Buch Cultural Turns[1] kommt der Begriff der Übersetzung grundsätzlich in zwei Ausprägungen vor. Einerseits bindet sich an ihn einer unter mehreren kulturwissenschaftlichen turns, der translational turn. Andererseits bezeichnet er eine Art methodologische Metaebene der Kulturwissenschaften, die Art und Weise, wie sie sich als Wissenschaft reproduzieren bzw. in die turns ausdifferenzieren, nämlich durch transdisziplinäre Übersetzungsprozesse zwischen Theorien, methodischen Einstellungen und Forschungsansätzen. Darüber hinaus bezeichnet Übersetzung die Theoriebildung der Kulturwissenschaften auch in Bezug auf die Realität – die „Theorieübersetzung“ als Übersetzung der kulturwissenschaftlichen Theorien in globale gesellschaftliche Zusammenhänge und ihre interkulturelle Aneignung.[2] – Welcher seiner Qualitäten verdankt der Begriff der Übersetzung einen so hohen Stellenwert in der kulturwissenschaftlichen Wissensproduktion? Doris Bachmann-Medick: Ihr kulturwissenschaftliches Anregungspotenzial entfaltet die Übersetzungskategorie erst dann, wenn sie über die traditionellen Übersetzungsqualitäten wie Äquivalenz, „Treue“ zum Original, Aneignung oder Repräsentation hinausgreift – wenn also die Sphäre der Sprach- und Textübertragung auf den weiteren Horizont kultureller Übersetzungspraktiken hin geöffnet wird. Erst dann kann Übersetzung zu einer grundlegenden Analysekategorie ausgearbeitet werden, die den kulturellen und kulturwissenschaftlichen Herausforderungen angesichts der Spannungsfelder des „cultural encounter“ in einer entstehenden Weltgesellschaft gerecht wird. Kulturübersetzung hat hier – im Unterschied zu Kulturdialog, Kulturhermeneutik oder Kulturenvergleich – eine entscheidende zusätzliche Qualität: die größere Realitäts- und Handlungsnähe. Denn „Übersetzung“ ist kein Terminus einer Expertenkultur, sonde

There are no comments yet on this publication. Be the first to share your thoughts.