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Bedeutung der Megaherbivoren-Beweidung für die Renaturierung artenreicher Feuchtgrünländer auf ehemaligen Ackerflächen

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  • Ddc:570

Abstract

Artenreiche Feuchtgrünländer stehen stark im Fokus europäischer Naturschutzstrategien. Dennoch wurden auch in Deutschland, insbesondere in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, viele dieser Feuchtgrünländer durch Meliorationsmaßnahmen, Umbruch oder intensivste Grünlandnutzung zerstört oder degradiert. Es werden jetzt dringend Renaturierungsstrategien benötigt, die eine großflächige Umwandlung und nachhaltige Landnutzung dieser ehemaligen Ackerflächen in artenreiche Grünlandbestände gewährleisten können. Diese großflächigen Renaturierungsvorhaben überschreiten jedoch häufig die finanziellen Möglichkeiten von Naturschutzorganisationen oder anderen Interessensgruppen, so dass Methoden entwickelt und getestet werden müssen, die effektiv und dennoch kosteneffizient sind. Zusammen mit dem vor Ort aktiven Naturschutzbund initiierte die Hochschule Anhalt (FH) ein Projekt, um solche ehemaligen Ackerflächen in den Auenbereichen der Elbe wieder in artenreiches Grünland umzuwandeln und langfristig zu sichern. Mittlerweile konnten über 40 ha ehemalige Ackerflächen erworben und unverzüglich in ein Beweidungssystem mit Heckrindern und Przewalski-Pferden integriert werden. Durch die Bewirtschafter wird eine extensive Ganzjahresbeweidung ohne Zufütterung umgesetzt. Auf Basis der wissenschaftlichen Begleitung dieses Beweidungsprojektes und der Durchführung von verschiedenen Versuchsvarianten zur erfolgreichen Begrünung der Flächen (Spontanentwicklung, Mahdgutübertrag, Ansaat einer kommerziellen Regelsaatgutmischung) können mittlerweile folgende Ergebnisse belegt werden: (1) durch die extensive Beweidung mit Megaherbivoren unter dem Verzicht auf eine Zufütterung können auf ehemaligen Ackerflächen erfolgreich standorttypische Grünlandgesellschaften mit einem vergleichsweise niedrigen Nährstoffstatus entwickelt werden, (2) die Integration bereits bestehender artenreicher Grünländer in das Beweidungssystem fördert die schnelle Etablierung von Zielarten, insbesondere entlang der Hauptweidepfade, (3) eine Ansaat von herkömmlichen Regelsaatgutmischungen behindert die Etablierung standorttypischer Grünlandarten, (4) durch Mahdgutüberträge wird die Etablierungsrate verschiedener Zielarten erhöht, (5) am erfolgreichsten ist die Etablierung der Zielarten auf den bereits ganzjährig nassen Standorten. Die extensive Ganzjahresbeweidung mit Megaherbivoren ist folglich eine geeignete Methode für die Renaturierung artenreicher Grünlandbestände auf ehemals intensiv ackerbaulich genutzten Flächen. Es wird jedoch auch deutlich, dass neben der Beweidung die Anhebung der Grundwasserstände enorm wichtig für die positive Entwicklung dieser Grünlandbestände im Wulfener Bruch ist.

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