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Carl Einstein und Moise Kisling. Moderne und Tradition bei Einstein zu Beginn der Zwanzigerjahre

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kritische berichte - Zeitschrift für Kunst- und Kulturwissenschaften
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Abstract

Liliane Meffre CARL EINSTEIN UND MOISE KISLING Moderne und Tradition bei Einstein zu Beginn der Zwangzigerjahre D ie Tatsache, daß Carl Einstein Anfang der Zwanzigerjahre, als er, wie man weiß, ein geschätzter Kunstkritiker und Schriftsteller war, Moise Kisling, ei­ nem Maler polnischer Herkunft, der seit 1910 in Paris seßhaft war, ein Buch gewidmet hat, bedeutet, daß er in ihm nicht nur einen guten Freund sondern auch eines der stärksten Talente seiner Generation sah. Das Werk dieses Ma­ lers nahm jedoch nicht im geringsten an der kubistischen Revolution teil, der einzigen Bewegung in der Malerei, der Einsteins uneingeschränkte Zunei­ gung galt. Kisling war kein isolierter Künstler, im Gegenteil: sein Pariser Atelier war Mittelpunkt von Begegnungen und Diskussionen für Künstler und Schriftsteller. Er war Freund der Kubisten und hielt sich ebenfalls in Ce- ret und in der Provence auf, »diesem Handwerksfeld der modernen Male­ rei« . Dennoch blieb er stets er selbst, nichts änderte sich grundsätzlich an sei­ ner Ar t , und gerade das unterstreicht Einstein mit Enthusiasmus. Diese bemerkenswete Tatsachen veranlassen uns, die reiche Korrespon­ denz zwischen beiden Männern während der Jahre 1920 bis 1924 näher zu be­ leuchten.1 Gewiß, beide waren Juden und durch eine »enge Brüderlichkeit« mitein­ ander verbunden, derer sich Carl Einstein in seinen Briefen gern erinnert. Andererseits berichtet Daniel -Henry Kahnweiler, daß während seiner lan­ gen Freundschaft mit Einstein ihr Judentum weder von dem einen noch vom anderen hervorgehoben wurde. Einstein liebte es, mit Moise Kisling Ver­ gnügungen des Lebens zu genießen, er traf mit ihm in Frankreich wie auch in Deutschland zusammen, wo er half, Ausstellungen zu organisieren und 28 seine Bilder zu verkaufen. Zwar ist die wesentliche Rolle, die Carl Einstein in der zeitgenössischen Kunstkritik spielte, bekannt, aber seine bemerkens­ werte Rolle, die er als Experte und künstlerischer Ratgeber gegenüber gro­ ßen Sammlern, Museum

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