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Der freie Wille – eine Tatsache des praktischen Lebens : warum die Hirnforschung die Willensfreiheit nicht in Frage stellen kann

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  • Ddc:100

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UNI 2005/04 Teil 3 Wir Menschen sind ein Teil dernatürlichen Welt. Wir unter- liegen den Naturgesetzen und un- sere Handlungen sind die Produkte natürlicher Prozesse und Faktoren: unseres Erbguts, unserer Erziehung und Sozialisation sowie der kom- plexen neuronalen Vorgänge in un- serem Gehirn. Daraus leiten einige Hirnforscher die These ab, die Idee der Willensfreiheit sei eine bloße Il- lusion, deren Unhaltbarkeit von der neurobiologischen Forschung bewiesen werde. Es geht um nichts weniger als ein neues Menschen- bild: Das tradierte Selbstverständnis des Menschen, der für sein eigenes Tun verantwortlich ist, müsse er- setzt werden durch ein Menschbild, das ohne Begriffe wie Verantwor- tung, Verdienst und Schuld aus- kommt, denn diese Begriffe seien nur auf Wesen anwendbar, die über Willensfreiheit verfügen. Willens- freiheit, also die Fähigkeit, sich im Lichte von Gründen und Gegen- gründen frei zu entscheiden, ist ei- ne notwendige Bedingung dafür, dass wir einer Person ihre Körper- bewegungen als ihre eigenen Hand- lungen zuschreiben können. Sind Freiheit und Notwendigkeit unvereinbar? Das Problem der Willensfreiheit ist keineswegs eine Entdeckung der modernen Hirnforschung: Die Phi- losophen zur Zeit des Hellenismus hinterfragten den freien Willen vor dem Hintergrund eines allum- fassenden Schicksals, im Mittelalter trat an dessen Stelle die Allmacht und das Allwissen Gottes. In der Neuzeit schließlich stellte sich mit dem Aufkommen der modernen Naturwissenschaften die Frage, wie unsere Handlungen und Entschei- dungen frei sein können, wenn doch alles Geschehen in der Natur vollständig durch natürliche Ursa- chen determiniert ist. Strukturell handelt es sich stets um dasselbe Problem: Lässt sich die Willensfrei- heit mit der Annahme vereinbaren, dass alles Geschehen in der Welt mit strikter Notwendigkeit ge- schieht – sei dies nun die Notwen- digkeit des Schicksals, der Rat- schlüsse Gottes oder der Naturge- setze? Wer diese Frage mit »Nein« be- antwortet, ist Befürwor

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