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Ein fürstlicher Theologe: Landgraf Philipp von Hessen über Juden in einer christlichen Gesellschaft

Authors
Publisher
Zwingliana
Publication Date

Abstract

Ein fürstlicher Theologe Landgraf Philipp von Hessen über Juden in einer christlichen Gesellschaft von CORNELIS AUGUSTUN 1. Die Haltung der Christen gegenüber Juden ist in den letzten vierzig Jahren in rei- chem Maße auf Interesse gestoßen. In diesem Artikel will ich meinen Anteil zu dieser Besinnung beitragen. Ich behandle einen Aspekt: Landgraf Philipp von Hessen und seine theologischen Erwägungen hinsichtlich der Position der Juden in seinen Territorien. Im Hintergrund dieser Erwägungen stand ein historischer Sachverhalt. Im Frühjahr 1539 lief die Frist der Duldung der Juden in den Gebieten Philipps aus. Es war also notwendig, im Laufe des vorhergehenden Jahres Maßnahmen für die Zukunft zu ergreifen. Wahrscheinlich haben die Juden selber dem Landgrafen einen Entwurf für eine Regelung übergeben. Daraufhin hat Philipp die ganze Frage Martin Bucer, seinem theologischen Berater, vorgelegt und ihm dabei auch den Entwurf übergeben. Bucer verfaßte ein Gutachten und nach Beratungen mit hessischen Theologen wurde dieses der landgräflichen Kanzlei eingereicht. Mit sehr positivem Kommentar wurde es von dort an den Landgrafen weitergeleitet. Philipp hat das Dokument eingehend studiert und in einem Brief an seine Räte seine Bedenken angemeldet. Bucer hat in einem persönlichen Schreiben an den Landgrafen darauf reagiert. Auf irgendwelche Weise haben die Juden das Gut- achten Bucers und den Brief des Landgrafen in die Hände bekommen, und sie ha- ben beide Dokumente zusammen veröffentlicht. Danach hat Bucer ebenfalls sein eigenes Gutachten veröffentlicht, zusammen mit einem Brief an einen «guten Freund», in dem er sein Gutachten verteidigte. Ernst-Wilhelm Kohls hat Bucers Gutachten, den «Judenratschlag», im Rah- men der «Deutschen Schriften» Martin Bucers herausgegeben und ihm alle jetzt genannten Dokumente als Beilagen hinzugefügt, so daß seit 1964 das vollständige Dossier zur Verfügung steht1. Die Akten wurden auch mehrmals untersucht, zu- Martini Buceri opera omnia, S

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