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Newsletter / Frankfurter Klinikallianz. Nr. 3, 2009

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  • Ddc:610

Abstract

newsletter A U S G A B E 3 – S E P T E M B E R 2 0 0 9 W W W. K L I N I K A L L I A N Z - F R A N K F U R T. D E E D I T O R I A L Zerstückelung und Stigmatisierung Woran krankt unsere moderne Medizin? Sind es tat- sächlich nur die organisatorischen bürokratischen Hindernisse, unzureichende Effizienz, die Folgen der mangelnden Struktur des Krankenkassenwesens oder die Überladung mit Dokumentationspflichten, Rechtsfragen, Qualitätsmanagement sowie der fi- nanzielle Aderlass für Verwaltungsaufgaben oder gar die Überalterung der Gesellschaft, die uns an einer patientengerechten fortschrittlichen Medizin hin- dern? „Die verlorene Kunst des Heilens“ betitelt der be- kannte amerikanische Kardiologe B. Lown (er hat den ersten Defibrillator entwickelt) ein Buch. Was meint er damit? Die zunehmende Spezialisierung der Medizin in nicht nur immer kleinere Subdisziplinen, sondern auch noch Behandlungspakete (OPS-Ziffern) beginnt die Gesamtschau auf den Patienten und damit auch die Bedeutungserkennung von Symp- tomen gravierend zu behindern. Immer komplexer werdende Zusammenhänge stehen dem Übersehen scheinbar einfacher Wahrheiten entgegen. Diese dürfen aber als solche nicht benannt werden. Wir sind ständig damit beschäftigt, neue Namen für schwer vermittelbare Wahrheiten zu finden, weil ohne sie die aktivere Einbeziehung des Kranken in und seine Motivierung für den Heilungsprozess ge- fordert wären. Psy-chiatrie und Psy-chosomatik sind nach wie vor Bereiche, die Angst auslösen, wenn sie nicht gar Grund zur Stigmatisierung sind. So finden wir ak- zeptablere Bezeichnungen: Burnout für Depression, Chronique-Fatigue-Syndrom für Neurasthenie, Fi- bromyalgie für chronisches Schmerzsyndrom. Erst über den Umweg der Neuroradiologie werden Gefühle und ihre Bedeutung wieder dingbar ge- macht, da sie über die Kernspintomographie einem Hirnbereich zugeordnet und substanzialisiert werden können. Dadurch werden sie gesellschaftsfähig, weil sie also wirklich und damit nicht eing

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