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Umjetnost i pojam ljepote u hrvatskoj neoskolastici. 4. Ante Bauer - prva 'Theodicea' i 'Metaphysica generalis' pisana hrvatskim jezikom

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Institute of Philosophy; [email protected]
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Abstract

Nach antizipierenden Erscheinungen der Neuscholastik, wie Antun Kržan in Zagreb und Ante Petrić (der auf Italienisch publizierte) an der Adriaküste, erscheint die päpstliche Enzyklika Aeterni Patris, durch die neuscholastische Tendenzen in der katholischen Kirche offiziell werden, im Jahre 1879 sogleich auch in kroatischer Sprache; überdies wird mit positivem Engagement für die Beschäftigung mit Philosophie unverzüglich Cvjetko Gruber (1843–1914) auf den Plan treten. Eine Institutionalisierung der Philosophie im Rahmen des Hochschulunterrichts wird jedoch erst mit den Namen und Schriften von Josip Stadler (1843–1918) und Ante Bauer (1856–1937) in Verbindung gebracht. Dem Alter nach scheint es, dass Stadler in diesem Sinne Vorrang hat, da er an der Zagreber Theologischen Fakultät Philosophie lehrte und Bauer in seiner Studentenzeit dessen Vorlesungen besuchte. Es war jedoch Ante Bauer, der die ersten Studienhandbücher herausgab: 1892 erschien Naravno bogoslovje (Theodiceja) /Natürliche Theologie (Theodizee)/ und 1894 Opća metafizika ili ontologija /Allgemeine Metaphysik oder Ontologie/ – die ersten Bücher dieser Art in kroatischer Sprache nach mehreren Jahrhunderten kroatischer scholastischer Tradition, die ausschließlich lateinisch verfasste Schriften kannte. (Das erste Buch war in der Tradition der »Zagreber philologischen Schule« des 19. Jahrhunderts geschrieben, das zweite lehnte sich an die Lehren der sogenannten ‘hrvatski vukovci’, wörtlich: der kroatischen Wolfianer’ an. Diese verkörperten eigentlich eine serbische Variante der kroatischen Philologie, da sie die Lehren des serbischen Philologen Vuk (= dt. Wolf) Stefanović Karadžić befolgten; zu ihnen gehörten die ‘kroatischen Sprachreformisten’ Daničić, Maretić, Boranić, Broz und Iveković.) Stadlers Schriften in sechs Bänden, die im Unterschied zu den zwei Büchern von Bauer ein ganzes neuscholastisches System darstellen, werden erst zwischen 1904 und 1915 erscheinen, was sowohl historiographisch als auch hinsichtlich der geschichtlichen Realität eine Inversion darstellt, der es in interpretativ-problematisierendem Sinne ernsthaft Rechnung zu tragen gilt. Bauer schrieb keinerlei ästhetische Abhandlungen, doch artikulierte er im Rahmen seiner systematischen Ausführungen in Metaphysica generalis das Thema Schönheit und Kunst, dem er ein gesondertes kurzes Kapitel widmete, wie er das zu einem Teil bereits in der Natürlichen Theologie getan hatte. Er vertrat mehr oder weniger standardmäßige (neu-)scholastische Ansichten, die einen leichten Einschlag platonisch-augustinischer Provenienz erkennen lassen und sich stellenweise unschlüssig zwischen dem Begriff Vernunft und Verstand hin und her bewegen. Besondere Aufmerksamkeit in historiographisch-interpretativem Sinne gilt der Tatsache, dass Bauers im Grunde traditionalistische, zugleich aber auch konservative ästhetische Ansichten in die Zeit der sog. »kroatischen Moderne« fallen (Fin de siècle, la Belle époque, Jahrhundertwende bzw. die Zeit der mitteleuropäischen Sezessionen). In Bezug darauf sind Bauers Standpunkte diametral gegensätzlich, vertritt der kroatische Philosoph doch folgende These: »…es gibt hingegen Gegenstände, die jederzeit und von jedermann für schön und wertvoll befunden werden, ebenso unveränderliche – eine Erscheinung, der ästhetische Regeln zugrunde liegen; ein Zeichen, dass Schönheit etwas Objektives ist, das in den Gegenständen selbst seine ontologische Grundlage ist.« Es ist geradezu bizarr, dass eine solche (ästhetische) Auffassung weder hinsichtlich der Standpunkte Bauers noch in Bezug auf seine eigene Person schärfere Polemiken hervorgerufen hat, obwohl sein Amtsantritt als Zagreber Erzbischof in spätere Jahre fiel und er erst 1906 zum Rector magnificus gewählt wurde. Das heißt, dass das Ausbleiben von Konflikten nicht in Bezug zu bringen ist mit der Autorät, die Bauer dank seiner hohen Würden in späteren Jahren innehatte. Da Bauer später als Mäzen auftrat und große Summen investierte – während er in jungen Jahren politisch aktiv gewesen war –, werden seine traditionalistischen ästhetischen Ansichten, die er in seinen Büchern in kurzen Kapiteln darlegte, ansatzweise geprüft auf mögliche Implikationen, die hinausgehen über rein theoretische oder ausschließlich solche, die mit seiner Tätigkeit als Inhaber des Lehrstuhls für Philosophie an der Theologischen Fakultät zu tun haben. Jedoch müssen unabhängig davon Bauers Bücher aus den Jahren 1892 und 1894 im Rahmen der historiographischen Faktographie als historische Daten gewertet werden, da sie die erste Etappe in der Entwicklung der philosophischen Strömung innerhalb der kroatischen Scholastik markierten und deren reale, offizielle Insitutionalisierung (auf Hochschulebene) einläuteten.

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