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Aleviten in Deutschland

Authors
Publisher
Ludwig-Maximilians-Universität München
Publication Date
Keywords
  • Ethnologie
  • Ddc:390

Abstract

Einleitung: Aleviten in Deutschland - von takiye zur alevitischen Bewegung Einleitung: Aleviten in Deutschland – von takiye zur alevitischen Bewegung MARTIN SÖKEFELD Einlei tung Seit gut vier Jahrzehnten, seit dem Beginn der Arbeitsmigration aus der Tür- kei, leben Aleviten in Deutschland, aber erst seit wenigen Jahren genießen sie eine begrenzte Wahrnehmung in der Öffentlichkeit. Den wohl endgültigen Durchbruch zu größerer Bekanntheit erreichten die Aleviten erst zum Jahres- wechsel 2007/08, als sie mit einer Großdemonstration in Köln, vielen kleine- ren Veranstaltungen im ganzen Land, mit Klagen und Presseerklärungen un- übersehbar gegen einen „Tatort“-Krimi protestierten, den die ARD am 23.12.07 ausgestrahlt hatte. Die Öffentlichkeit reagierte auf den Protest über- wiegend mit Unverständnis. Man sah die Freiheit der Medien und der Kunst in Gefahr, und verschiedentlich wurden die Ereignisse mit den weltweiten Protesten von Muslimen gegen die Mohammad-Karikaturen verglichen, die im Herbst 2005 von der dänischen Tageszeitung Jyllands-Posten veröffent- licht worden waren. Auch der Protest der Aleviten war nicht auf Deutschland beschränkt. An der Kölner Demonstration nahmen Aleviten aus ganz Europa teil, in der Schweiz reichten Aleviten Klage gegen den NDR ein, der den Film produziert hatte, und auch in der Türkei gab es Proteste und Demonstrationen. Warum waren die Aleviten über den Krimi so empört, dass es ihnen gelang, über 20.000 Menschen – die Veranstalter sprachen gar von 40-50.000 Teil- nehmern – für die Demonstration am 30.12.07 in Köln zu mobilisieren? Das Problem war, dass der Krimi genau die verleumderischen Vorwürfe reproduzierte, mit denen sich Aleviten seit Jahrhunderten auseinandersetzen müssen, und gegen die sie sich seit Ende der 1980er Jahre auch öffentlich zur Wehr setzen. Es geht um den Inzest-Vorwurf, der in der islamischen Welt häufig von der jeweiligen Mehrheit erhoben wird, um als „heterodox“ gelten- 7 MARTIN SÖKEFELD de Mind

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