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Veränderungen von Parametern des Hirnstoffwechsels im Liquor cerebrospinalis und Plasma während operativer Eingriffe sowie der Einfluß des Kalziumantagonisten Nimodipin auf zerebrale Ischämiemarker

Authors
Publisher
Justus-Liebig-Universität Gießen
Publication Date
Keywords
  • Medical Sciences Medicine

Abstract

In der vorliegenden Studie sollte die Frage untersucht werden, ob im Liquor cerebrospinalis oder im Plasma Veränderungen von Parametern im perioperativen Verlauf zu beobachten sind, die eventuell Hinweise auf eine operativbedingte diffuse Hirnschädigung geben. Hierzu konnte folgendes festgestellt werden: 1. Intraoperativ sank im Liquor der pH­Wert in beiden Gruppen, jedoch in der Plazebo­Gruppe stärker als in der Verum­Gruppe. Postoperativ stiegen die Werte in beiden Gruppen innerhalb der ersten 6 Stunden nach dem Eingriff wieder auf die Ausgangswerte an. 2. Im Liquor sind intra­ und postoperativ die Konzentrationen von Glukose, Pyruvat und Laktat angestiegen. Der Laktat/Pyruvat­Index veränderte sich nicht als Hinweis darauf, daß Laktat und Pyruvat in demselben Umfang angestiegen sind. Zu keinem Zeitpunkt ergaben die Messungen der pCO 2 und pO 2 im Liquor und Plasma Hinweise darauf, daß das Ansteigen der Laktat­ und Pyruvat­Werte auf eine perioperative Hypoxie zurückzuführen ist. 3. Es bestehen keine Unterschiede bezüglich der Ischämiemarker NSE, Hypoxanthin und CK im Liquor und Plasma. Die Konzentrationen dieser Marker sind während des untersuchten Intervalls zu keinem Zeitpunkt über den Normbereich angestiegen. 4. Im venösen Blut konnte ein intraoperativer Natrium­Verlust in beiden Gruppen beobachtet werden, der vor allem in der Plazebo­Gruppe auch postoperativ anhielt. Im Gegensatz dazu fand sich im Plasma ein deutlicher Kalium­Anstieg, der direkt postoperativ wieder abfiel. Es ergaben sich keine Hinweise auf eine unterschiedliche intraoperative Kalium­Gabe in beiden Gruppen (p=0,554). Zur Frage, ob die prophylaktische Gabe des Kalzium­Antagonisten Nimodipin cerebroprotektiven Einfluß ausüben kann, wurde in der vorliegenden Studie folgendes festgestellt: 1. Es finden sich Hinweise auf eine unterschiedliche Entwicklung der Laktatkonzentrationen nach der Nimodipin­Gabe (p=0,004). Im Liquor zeigte sich intra­ und postoperativ geringere Laktatwerte bei der Patientengruppe, die prophylaktisch Nimodipin erhalten hatte. 2. Ebenfalls lassen sich Hinweise auf eine Wechselwirkung zwischen der Gabe von Nimodipin und der Entwicklung des pH­Werts im Liquor feststellen (p=0,033). Der pH­Wert im Liquor der Patienten, die ohne prophylaktische Gabe von Nimodipin operiert wurden, war intraoperativ stark abgefallen. Das Absinken des pH­Werts in der Verum­Gruppe fiel deutlich geringer als in der Plazebo­Gruppe aus. Die erniedrigten pH­Werte konnten in beiden Gruppen innerhalb der ersten 6 postoperativen Stunden ausgeglichen werden. 3. In der Plazebo­Gruppe fiel intraoperativ der Kalzium­Gehalt im Liquor steiler ab als in der Gruppe, die Nimodipin erhielt. Auch im weiteren Verlauf waren die Kalzium­Werte der Plazebo­Gruppe niedriger als die der Verum­Gruppe (p=0,007), dies könnte auf den durch Nimodipin regulierten Kalziumhaushalt zurückzuführen sein. 4. In der Kontrollgruppe trat bei zwei von insgesamt 23 Patienten klinisch eine leichte bis mittelgradige Desorientierung auf. In der Patientengruppe, die präoperativ Nimodipin erhielten, sind bei keinem Patienten Veränderungen der Kognition oder Vigilanz beobachtet worden. Statistisch ließen sich keine Hinweise auf einen Unterschied zwischen den beiden Gruppen feststellen. Aus den Ergebnissen der Untersuchung lassen sich folgende Schlußfolgerungen ziehen: 1. Wir schließen daraus, daß die intra­ und postoperative Störung bei den untersuchten Patienten nicht so umfassend war, daß das Neuron und die Gliazelle so geschädigt wurden, daß die intrazellulären Ischämiemarker NSE, Hypoxanthin und CK aus dem Intrazellulärraum in den Liquor und in das Plasma ausgeschwemmt werden konnten. Auf eine jedoch intraoperative Störung des Energiehaushaltes weisen veränderte Laktat­, Pyruvat­ und pH­Werte hin. 2. In der vorliegenden Untersuchung konnten keine Hinweise auf ein unterschiedliches Auftreten von Ischämiemarkern bei Patienten, die zur Zerebroprotektion Nimodipin erhielten, beobachtet werden. Die laborchemischen Veränderungen unter dem Kalziumantagonisten Nimodipin weisen jedoch auf einen regulierten intraoperativen Stoffwechsel hin, so daß weitere Untersuchungen auf diesem Gebiet vielversprechend sein könnten. 3. Der Gebrauch von Ischämiemarkern im Liquor cerebrospinalis als operatives Neuromonitoring ist ein invasives und aufwendiges Verfahren. Frühzeitiges Feststellen eines pathophysiologischen Status durch NSE, Hypoxanthin und CK kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht gewährleistet werden, da die Ergebnisse nicht zu den Routineverfahren zahlen und nicht prompt verfügbar sind.

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