Affordable Access

Die Einführung der Reformation in Ulm. Geschichte eines Bürgerentscheids. Vortragsveranstaltungen, Ausstellungskatalog und Beiträge zum 450. Jahrestag der Ulmer Reformationsabstimmung, hg. von Hans Eugen Specker und Gebhard Weig, Ulm 1981 (Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Reihe Dokumentationen 2)

Authors
Publisher
Zwingliana
Publication Date

Abstract

Sebastian Francks nachgelassene Bibliothek von CHRISTOPH DEJUNG Von den Autoren des Reformationszeitalters fühlt sich der moderne Leser oft unmittelbarer angesprochen als von denen der beiden nachfolgenden Jahrhun- derte. Der wichtigste Grund dafür liegt in der offenen und engagierten Art des Schreibens, das sehr häufig unmittelbar aus der Seele kommt. Aber selbst in dieser leidenschaftlichen Epoche fällt Francks Offenheit auf. Wer ihn gelesen hat, muß glauben, über seine Gefühle und innere Entwicklung viel zu wissen. Franck schrieb und lebte gefährlich. Es wäre ihm wohl zu raten gewesen, auf die Folgen seines Tuns mehr Rücksicht zu nehmen. Nur mit Glück ent- schlüpfte er mehrmals in seinem Leben den Feinden, die ihn ins Gefängnis brachten und wohl auch vernichten wollten. Kleine und große Geister wirkten an seiner Verfolgung mit; Butzer und Frecht taten ihm alles zuleide, was sie konnten, aber auch Melanchthon, Luther und Erasmus verfolgten ihn mit An- klagen und üblen Nachreden. Wer indessen versucht, sich über Francks innere Entwicklung klarzuwerden, seine eigensten Gedanken im Werk zu isolieren und in ihrer Konsequenz nach- zuzeichnen, der gerät leicht in Schwierigkeiten. Zu gegensätzlich sind die nach- einander eingenommenen Standpunkte, zu ungewiß der Stellenwert so man- cher beiläufigen Bemerkung. Franck suchte in seinen anscheinend gefühlsgela- denen persönlichen Äußerungen immer wieder das Unaussprechliche zu fassen. Noch immer entzieht sich das Eigentliche seines Denkens der sprachlichen Fassung; über Heglers Ansätze hinaus scheint der umfangreichen Literatur keine bessere Rekonstruktion dieser verkannten spiritualistischen Philosophie zu gelingen. Daß eine seit langem publizierte Bücherliste, nämlich Francks nachgelassene private Bibliothek, in dieser Hinsicht etwas Licht ins Dunkel bringen könnte, muß überraschen. Einige offensichtliche und einige ausgefallene Bezüge seien in diesem Zusammenhang auf den folgenden Seiten herzustellen versucht. I Im A

There are no comments yet on this publication. Be the first to share your thoughts.