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Netzhaut. Verflechtungen von Wahrnehmungsmustern in der Großstadt : zu Andrej Belyjs "Petersburg" und Ingo Schulzes "33 Augenblicke des Glücks"

Authors
Publication Date
Keywords
  • GroßStadt
  • Schulze
  • Ingo
  • Belyj
  • Andrej
  • Ddc:800

Abstract

KTeller_1annekorr.qxd NETZHAUT. VERFLECHTUNGEN VON WAHRNEHMUNGSMUSTERN IN DER GROßSTADT Zu Andrej Belyjs Petersburg und Ingo Schulzes 33 Augenblicke des Glücks von Katalin Teller (Budapest) Netzwerke gehören in den Bereich einer visuellen Erfahrung, der topographischen Beschreibung eines Phänomens.1 Die russische Großstadt St. Petersburg im Roman als textueller Mikrokosmos konstituiert sich als eine komplexe Verflechtung von real perzipierbaren und nicht-perzipierbaren Elementen, die in einer Semiose als sich aufeinander beziehende, aber auch voneinander entfernende und sich relativierende Punkte begriffen werden können. Der im Titel angeführte Begriff der ›Netzhaut‹ ist in diesem Sinne eine Metapher: Sie ist ein Ort, an dem sich die einzelnen visuel- len Eindrücke sammeln und durch neuronale Verknüpfungen weitergeleitet werden, sie ist aber zugleich der Ort, in dem sich der sog. blinde Fleck befindet, d.h. ein Hiatus, ein Nullpunkt, der sich der Perzeptions- und Apperzeptionsprozesse entzieht, und so zu einem Ort avanciert, der einen Spielraum des Fiktiven eröffnet. Im Folgenden versuche ich, dieser eigenartigen Dynamik nachzugehen, die darin besteht, dass sich die unterschiedlichen Wahrnehmungs- muster einander dialogisch durchkreuzen und einander bedingen, und zugleich ein bestimm- tes textuelles Verflechtungsmuster ergeben. Die wissenschaftlichen Auseinandersetzungen mit Netzwerken und komplexen Organisa- tionsmustern erleben besonders seit den 1980er Jahren eine Hochkonjunktur. Unterschiedli- che Modelle wurden herausgearbeitet, unter denen dasjenige der »kleinen Welt« (small world theory) wohl die breitesten und liberalsten, und daher vielleicht auch die konturlosesten Inter- pretationen zulässt.2 Die Annahme, dass Vernetzungen zwischen einzelnen Elementen und ihre unterschiedlich ausgeprägte Komplexität ein universelles Phänomen darstellen, ließ die Forschung in einer Reihe von Disziplinen einen Weg einschlagen, auf dem sich die Welt auf al- len Ebenen und auf Grund bestimmter

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