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Molekularpathologische Untersuchungen an Karzinomen der Papilla Vateri: Korrelation klinisch-pathologischer Variablen mit Deletionen der Chromosomen 17p und 18q sowie der Expression von p53, SMAD4 und Maspin

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Publication Date
Keywords
  • 610 Medizin

Abstract

In dieser Arbeit wurde eine große Anzahl von Papillenkarzinomen (n=164) bezüglich des Allelstatus der Chromosomen 17p und 18q (Mikrosatellitenmarker TP53 und D18S61) sowie bezüglich immunhistochemischer Proteinexpression von p53, SMAD4 und Maspin untersucht. Die Ergebnisse wurden in Bezug zu klinisch-pathologischen Variablen und zum Gesamtüberleben der Patienten gesetzt. Für den TP53-Locus ergab sich eine LOH-Rate (loss of heterozygosity, Verlust der Heterozygotie) von 54 % und für den D18S61-Locus eine LOH-Rate von 35 %. Tumorentität (De-novo-Karzinom oder Karzinom-ex-Adenom) und ausschließliche Berücksichtigung der niedriggradig mikrosatelliteninstabilen und mikrosatellitenstabilen Tumoren (MSI-L- und MSS-Tumoren) erbrachte keine statistisch relevanten Unterschiede. Bis auf Mikrosatelliteninstabilität am D18S61-Locus, die mit längerem Gesamtüberleben einherging, waren die Ergebnisse der Mikrosatellitenanalyse am TP53- und D18S61-Locus ohne Relevanz für die Überlebenszeiten der Patienten. Das auf Chromosom 17p kodierte Tumorsuppressorgen p53 wurde in 38 % der untersuchten Papillenkarzinome immunhistochemisch nachgewiesen und war tendenziell mit längerem Gesamtüberleben (p=0,12) assoziiert. Die vorliegende Arbeit belegte, dass eine p53-Überexpression nicht mit klinisch-pathologischen Variablen wie Differenzierungsgrad, histologischer Subtyp und Tumorstadium korreliert. Auch mit dem TP53-Mikrosatellitenstatus ergab sich kein signifikanter Zusammenhang. Eine tumorsuppressive Wirkung von p53 in der Karzinogenese von Papillenkarzinomen untermauerten die Daten dieser Studie trotz tendenziell längerem Überleben bei p53-Expression nicht, v.a. da sich keine Zusammenhänge zu klinisch-pathologischen Variablen ergeben haben. Hingegen ließ sich eine tumorsuppressive Wirkung von SMAD4 durch die Daten dieser Arbeit belegen: Expressionsverlust des SMAD4-Proteins (24% der Karzinome) ging signifikant mit positivem Nodalstatus (p=0,007) und zunehmendem pT-Stadium (p=0,015) einher, sowie mit tendenziell kürzerem Überleben (p=0,11). Mit den hier gefundenen Korrelationen ist die vorliegende Studie die erste, die derartige Zusammenhänge nachweisen konnte. Verlust der Heterozygotie des Mikrosatellitenmarker D18S61 am Chromosom 18q (Lokalisation des SMAD4-Gens) korrelierte schwach mit SMAD4-Negativität (p=0,13): So schien LOH des Chromosoms 18q neben anderen Mechanismen wie Mutationen ursächlich für den SMAD4-Expressionsverlust zu sein. Die Maspin-Proteinexpression bei Papillenkarzinomen wurde in dieser Studie erstmals an einem großen Kollektiv (n=83) mit Überlebensdaten evaluiert. Maspin, ein weiteres auf Chromosom 18q gelegenes Tumorsuppressorgen, wurde in dieser Studie bezüglich subzellulärer Lokalisation, prozentualer Anfärbung und Färbeintensität untersucht. Es ergaben sich Hinweise für eine Tumorsuppressorfunktion des Maspin bei Papillenkarzinomen: Bei deutlicher nukleärer Maspinexpression zeigte sich signigikant längeres Überleben (p=0,04), bei deutlicher zytoplasmatischer Maspinexpression waren tendenziell längere Überlebenszeiten (p=0,08) nachweisbar. Auch die Korrelation mit klinisch-pathologischen Variablen untermauerten die Tumorsuppressorfunktion des Maspin: Ausgeprägte prozentuale zytoplasmatische Maspin-Expression fiel signifikant von >70% Expression in den niedrigen UICC-Stadien auf nur 20 % in den UICC-Stadien III und IV (p=0,005) ab. Auch die Unterscheidung der histologischer Subtypen zeigte signifikante Unterschiede: Nukleäre Maspinpositivität war signifikant häufiger bei intestinalem, intestinalmuzinösen und pankreatobiliären Subtyp als bei G3-Adenokarzinom und invasiv-papillärem Subtyp. Die Unterscheidung nach subzellulärer Lokalisation erbrachte jeweils nur marginale Unterschiede in den statistischen Berechnungen, so dass eine Funktionseinschränkung je nach Lokalisation durch diese Daten bei Papillenkarzinomen nicht bestätigt werden konnte. Zur Klärung der Zusammenhänge zwischen Chromosomenstatus und immunhistochemischer Expression von Tumorsuppressorgenen bei Papillenkarzinomen sind weitere Studien nötig.

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