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Verlorene Sinnlichkeit

Authors
Publication Date
Keywords
  • Psychologie Und Pädagogik
  • Department Für Pädagogik Und Rehabilitation
  • Ddc:300
  • Ddc:370

Abstract

Verlorene Sinn-lichkeit 145 Verlorene Sinn-lichkeit? Besorgtes Unbehagen empfindet der zeitwache Pädagoge heute angesichts der immer höher steigenden Papierberge in unseren Bildungsinstitutionen. Wo bleibt das Leben? Wo bleibt der Mensch in den abstrakten Methoden und Produk- ten unserer Erziehungsstätten? Wo haben Empfindungen und Sinneserfahrungen, wo haben Gefühle und Einstellun- gen lebendigen Raum in unseren Schulen? Unsere hochzivilisierte Gesellschaft fordert schematische Verhaltensmuster. Der wache Gebrauch unserer Sinne ist nicht mehr gefragt. Ja, vielleicht ist es sogar gefährlich, unsere Sinne differenziert zu gebrauchen angesichts von Umweltlärm, Luftverschmutzung, schulisch und beruflich verordnetem Bewegungsmangel? Würde etwa ein sensibil i- sierter Geschmacks- und Geruchssinn nicht nervtötend wir- ken bei den vielen Anlässen chemischer Umweltvergiftung? Wäre die geschmackliche Nivellierung der Lebensmit- tel- und Bekleidungsindustrie bei einem differenzierten Sin- nesgebrauch nicht noch belastender? Andererseits: Sind unsere Sinne nicht ohnehin erheblich überlastet in unserer modernen Lebenswelt? Unsere Ohren sind einer permanenten Berieselung und Geräuschkulisse ausgesetzt; unsere Augen können der Bilderflut der Fern- seh-Video-Computer-Welt kaum noch standhalten; unsere Tast-, Geruchs- und Geschmackssinne sind durch eine Fülle von Umweltreizen ständig in Aktion und Abreaktion. Wozu also die Sinne noch mehr beanspruchen? Der Pädagoge muß sich fragen, wie es um die Forderung steht, daß die Schule die junge Generation ,.sensibil isieren" müsse für ihre Umwelt, daß sie der Ent-sinnlichung des Gebrauchens und Verbrauchens entgegenwirken müsse! Wie müßte ein Unterricht aussehen, der dem Verlust der Sinnlichkeit entgegenwirkt? Wir können aus alten Quellen schöpfen. Comenius hatte bereits im 16. Jahrhundert die pädagogische Maxime aufgestellt, daß die Schule in einer Einheit von Anschauung und Weltanschauung wirken müsse, daß sich das Kind

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