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Paul Hindemiths „Cardillac“ zwischen Expressionismus und deutscher Händelrenaissance

Authors
Publisher
Etnologický ústav AV ČR, v. v. i. – Kabinet hudební historie
Publication Date
Keywords
  • Ml Literature Of Music

Abstract

zlom 49Ð158 Paul Hindemiths „Cardillac“ zwischen Expressionismus und deutscher Händelrenaissance Vladimír Zvara In den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts gehört Paul Hindemith gewiss zu den originellsten und wichtigsten Komponisten des deutschen Sprachraums. Seine Opernwerke aus dieser Zeit – das Einakter-Triptychon Mörder, Hoffnung der Frauen (1921), Das Nuschi-Nuschi (1921) und Sancta Susanna (1922), die Origi- nalfassung von Cardillac (1926), der „Sketch mit Musik“ Hin und zurück (1927), die „lustige Oper“ Neues vom Tage und das Lehrstück (1929) – basieren auf äußerst unterschiedlichen Konzepten wenngleich sie alle unverwechselbar von hindemit- scher Prägung sind; in dieser Hinsicht ist sein Schaffen aus jener Zeit durchaus mit dem von Igor Strawinskys vergleichbar. Hindemiths musikdramatische Werke aus den 20er Jahren sind auch historisch sehr relevant, auch wenn die meisten von ihnen keine kontinuierliche Aufführungstradition entwickelt haben. Nach dem 2. Weltkrieg blieb nur noch Cardillac einigermaßen präsent, zumindest im deut- schen Opernrepertoire – eines der wenigen avancierten musikdramatischen Werke der Zeit, die nicht als Einakter, sondern als abendfüllendes, dreiaktiges „standard- work“1 konzipiert waren. Die 1926 in Dresden uraufgeführte erste Fassung2 von Cardillac stellt gleich- sam einen Schnittpunkt verschiedener Stiltendenzen dazu, die in der Musik- und Operngeschichte jener Zeit von entscheidender Bedeutung waren, und wurde aus dieser Sicht auch in der Literatur vielfach erörtert. In erster Linie handelt es sich um den Expressionismus und die „Neue Sachlichkeit“, deren Elemente in Cardillac auf das engste verflochten erscheinen.3 Die „Neue Sachlichkeit“ der 20er Jahre stellte zwar in der Tat eine ästhetische Reaktion, eine Art „Überwindung“ des Ex- pressionismus dar – und doch dürfen beide Begriffe nicht einfach als zwei aufein- anderfolgende, im „Gänsemarsch“ schreitende Perioden aufgefasst werden. Ein guter Beleg dafür ist Paul Hindemiths musikdramatisches Schaff

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