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Psychiatrisch-rechtliche Urteilsfindung – Das Kind und die Scheidung

Authors
Publisher
Institute of Social Sciences IVO PILAR
Publication Date

Abstract

Die Scheidung der Eltern stellt für das Kind eine große Bedrohung dar, da dadurch das bisherige Verhältnis zu den Eltern zerstört wird. Der mit dem Zerfall der Ehe einsetzende Kampf um die Kinder, der nicht selten auch über die Kinder selbst geführt wird, bringt starke Konflikte mit sich. Der vorliegende Artikel ist eine Fallstudie aus dem Bereich der Urteilsfindung in einem Scheidungsprozess, bei dem das Kind einem Elternteil zugesprochen wird. Die Autoren verweisen in ihrer Arbeit auf den psychodynamischen Aspekt der psychiatrisch-rechtlichen Urteilsfindung. Die Studie hat folgende Ziele: 1) Es sollen die psychodynamischen Folgen untersucht werden, die eine Scheidung für Kinder und Eltern hat. 2) Es sollen die zwischenmenschlichen Beziehungen nach der Scheidung, verschiedene Entwicklungsfaktoren sowie die Rolle der Geschlechstzugehörigkeit des Kindes im Laufe der Zuerteilung des Sorgerechts untersucht werden. 3) Die Autoren wollen dem Leser einen kurzen Einblick in die Fachliteratur aus dem Bereich des Kindschaftsrechts gewähren. Ergebnisse und Schlüsse: 1) Zwischenmenschliche Beziehungen und Verhaltensmuster auf Seiten von Eltern und Kindern nach der Scheidung sind geprägt von gewichtigen psychodynamischen und psychologischen Veränderungen hinsichtlich Qualität und Verfügbarkeit. 2) Das Verhältnis der ehemaligen Ehepartner nach der Scheidung, verschiedene Entwicklungsfaktoren sowie die Geschlechtszugehörigkeit des Kindes beeinflussen nachhaltig die Zuerteilung des Sorgerechts. 3) Es wird die Frage aufgeworfen, wie wichtig die elterlichen Absprachen selbst für die seelische Anpassung des Kindes sind. 4) Die Zuerteilung des Sorgerechts ist eine komplexe interdisziplinäre Frage, die dem psychologischen, soziologischen, psychiatrischen und rechtlichen Aspekt der Ehescheidung Rechnung tragen muss. 5) Die Experten, in deren Händen die Entscheidung über die Zusprechung des Sorgerechts liegt, müssen stets im Blick behalten, dass die erzielte Lösung dem Kind ermöglichen muss, mit seinen psychologischen Problemen zurechtzukommen, und dass es am allerwichtigsten ist, im besten Interesse des Kindes zu handeln und, so weit es geht, Schäden zu vermeiden.

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